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historische Postkarten aus Halle a.d. Saale

Beschäftigung, Konjunktur, Wachstum

  • Grundlagen der Beschäftigung
  • Beschäftigungsanspruch
  • Beschäftigungsförderungsgesetz
  • Beschäftigungsgrad
  • Beschäftigungskrise
  • Konjunktur
  • Länge der Zyklen
  • Phasen des Zyklus
  • Expansive Phase (Aufschwung)
  • Hochkonjunktur
  • Rezession
  • Depression
  • Konjunkturtheorien
  • Konjunkturpolitik
  • Konjunkturforschung und -prognose
  • Methoden der Konjunkturprognose
  • Konjunkturzyklen in Deutschland
  • Wachstum
  • reales und nominales Wachstum
  • Reales Wachstum und Preisindex
  • Intensives und extensives Wirtschaftswachstum
  • Quantitatives und qualitatives Wachstum
  • Grenzen des Wachstums

  • Grundlagen der Beschäftigung

    Beschäftigung ist jede Arbeit im Sinn von Erwerbstätigkeit

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    Beschäftigungsanspruch

    Beschäftigungsanspruch ist der Anspruch des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber, nach Abschluss des Arbeitsvertrages tatsächlich beschäftigt und nicht nur entlohnt zu werden. Dieser Anspruch ist insbesondere für die Arbeitnehmer in solchen Berufen von Wichtigkeit, die von den Betroffenen nur durch regelmäßige Praxis ausreichend beherrscht werden können. Aber auch darüber hinaus bestimmt die Beschäftigung in der Arbeit für viele Menschen ihre Wertschätzung und Persönlichkeit; so dass nach Abschluss des Arbeitvertrages der Arbeitgeber nicht nach eigenem Gutdünken über die Beschäftigung eines Arbeitnehmers entscheiden können soll.
    Der Beschäftigungsanspruch entfällt nur, wenn der Arbeitgeber, z.B. infolge von Verfehlungen des Arbeitnehmers, ein berechtigtes Interesse an einer Nichtbeschäftigung hat. Seit dem 26.04.1985 regelt das Beschäftigungsförderungsgesetz den Zugang zum Arbeitsmarkt.

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    Beschäftigungsförderungsgesetz

    Das Beschäftigungsförderungsgesetz fördert unter anderem den Abschluss von Zeit-Arbeitsverträgen und die Teilzeitarbeit, es enthält neue Regelungen für Sozialpläne und die Erweiterung des Katalogs von Tätigkeiten, die durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gefördert werden können. Von den Gewerkschaften werden vor allem die Befristung von Arbeitsverträgen, der damit verbundene Abbau von Dauerarbeitsplätzen sowie die Anhebung der Grenzen für die Aufstellung eines Sozialplans kritisiert.

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    Beschäftigungsgrad

    Beschäftigungsgrad ist das Verhältnis der Produktion eines Betriebes oder eines Wirtschaftszweigs zu seiner Leistungsfähiigkeit (Kapazität) innerhalb eines Zeitabschnitts. Manche Kostenarten eines Betriebs verhalten sich proportional zum Beschäftigungsgrad (z.B. Materialkosten), andere variieren über- oder interproportional, ein großer Teil der Kosten ist vom Beschäftigungsgrad unabhängig (z.B. Abschreibungen, Zinsen, manche Gehälter). Einige Kostenarten steigen überproportional zum Beschäftigungsgrad, wenn die Produktion nahe an der Kapazitätsgrenze liegt.
    Der optimale Beschäftigungsgrad ist dann erreicht, wenn die Kosten je Produktionseinheit am geringsten sind. Es lohnt sich jedoch den Beschäftigungsgrad darüber hinaus zu steigern, wenn die zusätzlichen Kosten niedriger als die zusätzlichen Erlöse sind.

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    Beschäftigungskrise

    Beschäftigungskrise ist das Phänomen langfristig gleich bleibend hoher Arbeitslosigkeit in modernen Industriegesellschaften; die Ursachen von Beschäftigungskrisen sind vielschichtig, neben dem allgemein verlangsamten wirtschaftlichen Wachstum sind es vor allem die die Faktoren

    • Rationalisierungsinvestitionen
    • Defizite der öffentlichen Haushalte
      sowie
    • Konsumstagnation,

    die zur Verknappung des Arbeitsplatzangebotes führen
    Die Bekämpfung der Beschäftigungskrise ist Aufgabe der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik.
    Mögliche Maßnahmen sind z.B.

    • staatliche Beschäftigungsprogramme
    • Investitionshilfen für Unternehmer
    • Verkürzung der Arbeitszeit
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    Konjunktur

    Als Konjunktur bezeichnet man die Gesamtsituation einer Volkswirtschaft. Sie leitet sich aus der gleichzeitigen Betrachtung verschiedener volkswirtschaftlicher Größen ab. Der wichtigste Indikator ist das BIP (Bruttoinlandsprodukt).
    Sie ist dabei durch Konjunkturzyklen, mehrjährige Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität in marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften, gekennzeichnet. Diese Zyklen betreffen die Wirtschaft als Ganzes und weisen eine Regelmäßigkeit auf. Konjunkturzyklen bestehen im Regelfall aus Aufschwungphasen (Expansion), der Hochkonjunktur (Boom), Abschwungphasen (Rezession) und der Depression. Während das Wirtschaftswachstum hauptsächlich auf Angebotseffekte zurückzuführen ist, sind konjunkturelle Schwankungen stets Nachfrage bedingt.
    Solche Schwankungen werden schon seit Langem beobachtet, waren aber oft Folge singulärer Ereignisse wie z.B. Spekulationskrisen. Eine gewisse Regelmäßigkeit dieser Schwankungen lässt sich zumindest bis ins 19. Jahrhundert hinein belegen. Diese Regelmäßigkeit ist es, die letztlich eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Konjunktur" begründet.

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    Länge der Zyklen

    Unabhängig voneinander haben mehrere Konjunkturforscher Schwankungen unterschiedlicher Länge identifiziert. Kitchin beispielsweise fand Zyklen mit einer Länge von 2–4 Jahren, Spiethoff solche mit einer Dauer von 7–11 Jahren. Gefunden wurden außerdem Zyklen mit einer Dauer von etwa 40 - 60 Jahren, die Schumpeter als Lange Wellen oder Kondratjew-Zyklen bezeichnete.
    Die Länge, die man einem Konjunkturzyklus zuschreibt, hängt wesentlich davon ab, ob man das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität (in der Regel gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Produktion, also dem Bruttoinlandsprodukt) als Maßstab heranzieht, oder die Wachstumsraten. Grenzt man Anfang und Ende eines Konjunkturzyklus danach ab, ob die Wirtschaftsleistung absolut rückläufig war (,,Klassische Konjunkturzyklen´´), so findet man längere Zyklen. Eine Einteilung anhand von Zuwachsraten führt zu einer größeren Zahl von kürzeren ,,Wachstumszyklen´´. Alternativ kann man Konjunkturen auch daran messen, wie stark die Produktionskapazitäten der Unternehmen ausgelastet sind. Hier sind Schwankungen zwischen etwa 70 Prozent (Rezession) und 100 Prozent (Boom) denkbar. Entsprechend lautet die betriebswirtschaftliche Definition der Konjunktur nach gängiger Lehrmeinung: Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotentials einer Volkswirtschaft. Hier wird sowohl ein Makrozyklus von mehreren Jahren bis zu Jahrzehnten Dauer beschrieben als auch beinhaltete Microzyklen von wenigen Jahren, nicht jedoch unterjährige Saisonszyklen.

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    Phasen der Zyklen

    1 = Aufschwung
    2 = Boom
    3 = Rezession
    4 = Depression

    Von verschiedenen Forschern und Institutionen werden Konjunkturzyklen in mehrere Phasen eingeteilt. Verbreitet ist ein Zwei-Phasen-Schema, bei dem man den Konjunkturzyklus in einen Aufschwung und einen Abschwung einteilt. Dabei nehmen die Aufschwungphasen meist den weitaus größten Teil des Zyklus ein, während Abschwungphasen im Allgemeinen recht kurz sind. Dieses Schema ist insbesondere in den USA sehr verbreitet. Nach einer Einteilung dauerten die Aufschwünge nach dem 2. Weltkrieg im Durchschnitt 52 Monate, die Abschwünge hingegen nur 10 Monate.

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    Expansive Phase (Aufschwung)

    Die Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs ist geprägt durch steigende Auftragsbestände und Produktionen, das Sinken der Arbeitslosenquoten, eine tendenziell wahrnehmbare jedoch noch geringe Preissteigerung, niedrige Zinsen mit steigender Tendenz sowie optimistische Prognosen betreffend der wirtschaftlichen Entwicklung.

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    Hochkonjunktur

    In der Phase der Hochkonjunktur (obere Wendepunktphase, Boom) sind aufgrund von starker Nachfrage die Kapazitäten einer Wirtschaft voll ausgelastet. Es herrscht Vollbeschäftigung, zum Teil sogar Arbeitskräftemangel. Das Lohnniveau steigt, allerdings ziehen auch die Preise und die Zinsen weiter an. Die Produktion wird solange gesteigert, bis eine Überhitzung des Marktes eintritt - wenn also steigende Zinsen aufgrund erhöhter Kreditnachfrage und vermehrte Fehlinvestitionen aufgrund übermäßig optimistischer Erwartungen immer mehr Unternehmen Probleme bereiten. Man spricht auch von Marktsättigung. Merkmale eines gesättigten Marktes:

    • Marktvolumen steigt nur noch in geringem Umfang
    • Teilmärkte werden von Stagnation oder Schrumpfung erfasst
    • Preisverfall
    • weniger produktive und viele kleine Unternehmen scheiden aus dem Markt aus
    • Unternehmensübernahmen verstärken Konzentrations- und Konsolidierungsprozesse
    • polypolistische Marktstrukturen werden durch oligopolistische Strukturen ersetzt
    Von nun an nimmt das Bruttoinlandsprodukt nicht weiter zu, eine Wende ist eingetreten. Die Phase des Abschwungs wurde eingeleitet.

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    Rezession

    Die Rezession (Abschwung, kontraktive Phase) bezeichnet die Konjunkturphase, in der eine Stagnation bis hin zum Abschwung der Wirtschaft auftritt. Die am meisten verbreitete Definition besagt, dass eine Rezession vorliegt, wenn die Wirtschaft zwei Quartale nacheinander nicht wächst, bzw. ein Rückgang zu verzeichnen ist (sinkendes Bruttoinlandsprodukt), allerdings verglichen mit dem jeweiligen Quartal des Vorjahres (nicht im Vergleich zum Quartal direkt vor dem betrachteten!). Eine Rezession hat üblicherweise Kursverluste an der Börse zur Folge. Verschärft sich eine Rezession bzw. kommt es zu einer längeren kontraktiven Phase, spricht man von Depression.

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    Depression

    Eine Depression ist der Tiefstand nach dem Abschwung einer Volkswirtschaft. Verstärkt wird sie durch Strukturkrisen, in denen über einen längeren Zeitraum die wirtschaftliche Tätigkeit (wie es etwa das Bruttoinlandsprodukt anzeigt) zurückgeht, die Börsenkurse fallen, die Arbeitslosigkeit stark ansteigt und Deflation aufkommt, d. h. das Preisniveau sinkt, Güter werden billiger.
    Häufig bezieht sich die Bezeichnung konkret auf die Weltwirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre. Diese war geprägt von einer Massenarbeitslosigkeit bisher unbekannten Ausmaßes. Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise war der Zusammenbruch der Börsen am sogenannten schwarzen Freitag.
    Den Befürwortern psychologischer Gründe für Wirtschaftskrisen zufolge liegt der Hauptgrund für eine Depression in einem Vertrauenszusammenbruch der Bevölkerung in das Wirtschaftssystem. Angst vor Jobverlust führt ihnen zufolge zu verminderten Ausgaben, die wiederum zu vermehrten Entlassungen führen. Andere machen wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen verantwortlich (im Fall der Weltwirtschaftskrise z. B. übermäßiger Protektionismus und mangelnde Maßnahmen um Einflüsse von Kursverlusten auf wichtige Märkte zu reduzieren) oder andere Faktoren - exogene Einflüsse, Herdentrieb bei Investitionen, usw.

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    Konjunkturtheorien

    Dem Phänomen "Konjunktur" kann man sich aus unterschiedlichen Perspektiven nähern.:
    • Eine phänomenologische Sichtweise setzt sich mit dem Konjunkturzyklus als solchem auseinander. Sie versucht, aus dessen Dauer, der Länge der verschiedenen Phasen und dem Verhalten verschiedener Teilaggregate (z.B. Beschäftigung, Investitionen, Exporte) Lehren für den künftigen Ablauf der Konjunktur zu ziehen. Diese Sichtweise ist insofern wichtig, als sie Konjunkturzyklen überhaupt erst als eigenständiges Forschungsobjekt etabliert. Eine analytische Sichtweise versucht das Zustandekommen von Konjunkturschwankungen durch Ansätze aus der Wirtschaftstheorie zu erklären. Einen Ansatzpunkt bieten Akzelerator-Multiplikator-Ansätze (Multiplikator-Akzelerator-Modell). Andere Erklärungsversuche stellen Lagerzyklen in den Mittelpunkt der Erklärung. Als Auslöser von Konjunkturschwankungen werden zudem finanz- oder geldpolitische Maßnahmen analysiert; auch werden politische Zyklen diskutiert, sowie psychologische und sonstige Ursachen.

    • Die verschiedenen Schulen der Volkswirtschaftslehre favorisieren dabei unterschiedliche Erklärungsansätze:
      Die Klassiker kannten zwar schon das Phänomen konjunktureller Schwankungen, sie erklärten diese aber mit singulären Ereignissen (Schocks) wie Missernten oder dem Platzen von Spekulationsblasen. William Stanley Jevons machte Sonnenflecken für Konjunkturschwankungen verantwortlich. Dadurch seien die Ernten beeinflusst. Dass exogene Schocks Auslöser von Konjunkturen sein können, findet neuerdings in Gestalt von real business cycle-Modellen wieder größere Beachtung.

    • Der Keynesianismus versteht hingegen Konjunkturen als Ausdruck temporärer Ungleichgewichte auf den Güter- und Faktormärkten, die ihren Ausdruck z. B. in "Unterkonsumtion" oder in "Überinvestitionen" fänden. Ein Beispiel für eine solche "Überinvestition" (der Begriff "Fehlinvestition" wäre angebrachter, da nur ein Teil der Wirtschaft betroffen war) findet man in den USA in den Jahren 1999/2000, als im Vertrauen auf die New Economy erhebliche Investitionen in IT-Ausrüstungen und -Unternehmen getätigt wurden, die sich bald als zu optimistisch herausstellten, was eine der Ursachen für die Rezession 2001 war. Da "Keynesianer" Marktungleichgewichte bzw. Strukturkrisen als Auslöser derartiger Rezessionen ansehen, sehen sie auch die Möglichkeit, dass die Wirtschaftspolitik die Wirkungen konjunktureller Schwankungen abmildern kann, indem sie z. B. in der Rezession die fehlende private durch staatliche Nachfrage ersetzt (antizyklische Wirtschaftspolitik). Der Ansatzpunkt des Keynesianismus um der Gleichgewichtsstörung entgegenzuwirken ist, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch Konsumsteigerung (nachfrageorientiert) oder Investitionen in die Infrastruktur bzw. Wirtschaft (angebotsorientiert) gestärkt werden müsse.

    • Der Monetarismus schließlich fasst hingegen Konjunkturen als die Folge von staatlichen Eingriffen in den Wirtschaftskreislauf auf. Insofern empfehlen sie der Finanz- wie der Geldpolitik konjunkturpolitische Abstinenz. Statt dessen soll die Politik festen Regeln folgen, Eingriffe in den Markt möglichst vermeiden und das langfristige Wachstum fördern. Der Ansatzpunkt des Monetarismus um der Gleichgewichtsstörung entgegenzuwirken ist, dass man das gesamtwirtschaftliche Angebot durch Verbesserung der Produktions- und Leistungsbedingungen stärkt. Diese unterschiedlichen Auffassungen spiegeln sich auch in den konjunkturpolitischen Empfehlungen wider.



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    Konjunkturpolitik

    Aufgrund der Weltwirtschaftskrise wurden die Vorschläge der klassischen Ökonomie als wirkunglos wenn nicht gar kontraproduktiv angesehen, dem Staat konjunkturpolitische Abstinenz zu empfehlen und einen stabilen, ausgeglichenen Staatshaushalt anzustreben. Das lag zwar auch an Fehlentscheidungen wie z. B. dem vermehrten Protektionismus, der den Handel zusammenbrechen ließ, sowie den durch Reparationsforderungen verstärkten Problemen in Deutschland, mit Auswirkungen auch auf andere Länder, aber das änderte nichts an einem schwindenden Vertrauen in eine fiskalisch konservative Wirtschaftspolitik. Ein Musterbeispiel für eine solche Politik war in Deutschland die Brüning'sche Sparpolitik. Stattdessen führten die Erfolge insbesondere einiger militaristischer Länder bei der Überwindung der Krise durch verstärkte staatliche Ausgaben für Rüstung und Infrastruktur dazu, dass die Ideen des Keynesianismus mehr und mehr an Bedeutung gewannen, der Staat müsse durch staatliche Ausgabenprogramme wirtschaftliche Ungleichgewichte kompensieren. In den USA kam es unter Präsident Franklin D. Roosevelt zum New Deal, einem staatlichen Investitionsprogramm, mit dessen Hilfe es gelang, die Wirtschaft wieder zu stabilisieren.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg war die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Industrieländern für viele Jahre kräftig und ohne all zu kritische Einbrüche aufwärtsgerichtet. Die Gründe dafür lagen darin, dass vielfach ein erheblicher Nachholbedarf bestand, die USA mit dem Marshallplan und einem hohen Dollarkurs Europa zu einem Bollwerk gegen den Kommunismus machten, und der kommende Bedarf sich relativ genau abschätzen ließ. Als es in den sechziger Jahren erstmals nach 1945 wieder zu einer größeren konjunkturellen Schwäche kam, hatte sich das keynesianische Gedankengut so weit durchgesetzt, dass viele Wirtschaftspolitiker davon ausgingen, konjunkturelle Schwankungen mit Hilfe einer antizyklischen Fiskalpolitik ausgleichen zu können.
    In Deutschland fand dies den Niederschlag in der Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes, das eine stetige Wirtschaftsentwicklung zum Ziel der Politik erhob und Instrumente einführte, dieses Ziel auch prinzipiell zu erreichen, z.B. einen Konjunkturzuschlag zur Einkommensteuer oder eine Konjunkturausgleichsrücklage.

    Allerdings scheiterte die antizyklische Finanzpolitik in Deutschland wie in anderen Ländern in den siebziger Jahren. Zum einen waren die Schwierigkeiten unterschätzt worden, Ausgabenprogramme zeitgerecht zu verabschieden und richtig zu dimensionieren. Es kam zu Verzögerungen bei Erkennen des Abschwungs sowie bei Verabschiedung, Umsetzung und Wirkung der Programme, so dass sie oft erst im folgenden Aufschwung spürbar wurden, die Politik also prozyklisch wirkte. Zum anderen waren Politiker nicht bereit, in der Rezession erlassene Ausgabenprogramme wieder abzuschaffen, wie dies nach dem Konzept der antizyklischen Politik erforderlich gewesen wäre. Es wurden auch selten die nötigen Steuersenkungen durchgeführt, stattdessen sogar Steuern erhöht, um die mit den Konjunkturprogrammen verbundenen Ausgaben zu decken, was zu einer allgemeinen Verringerung des Wachstums führte. Teilweise führten die staatlichen Ausgaben zu einer Verlangsamung der Anpassung der Wirtschaft an sich verändernde Märkte. Außerdem verloren die staatlichen Ausgaben immer mehr an Effizienz, was z. B. mit einer Sättigung beim Straßenbau und einem Schwenk von angebots- zu nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik zu tun hatte.

    Mit dem (in Deutschland allerdings sehr moderaten) Schwenk zur Angebotspolitik und mehr fiskalischer Zurückhaltung in den achtziger Jahren verzichtete die Politik auf eine antizyklische Konjunkturpolitik. Sie lässt aber weiterhin automatische Stabilisatoren zu; d. h., wenn aus konjunkturellen Gründen höhere Ausgaben (z. B. für die Arbeitslosenversicherung) fällig werden oder geringere Steuereinnahmen anfallen, so nimmt die Politik dies teilweise hin und wiederholt nicht den von vielen als Fehler angesehenen Versuch aus der Weltwirtschaftskrise, unter allen Umständen einen ausgeglichenen Staatshaushalt herbeiführen zu müssen. Allerdings wird auch hier eine Trendwende erkennbar, wie die immer deutlicher werdenden Sparbemühungen zeigen. Viele Länder haben es deutlich erfolgreicher geschafft, sich von den Fehlern der 70er Jahre zu lösen und wieder zu hohen Wachstumsraten zurück zu finden.

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    Konjunkturforschung und -prognose
    Forschungseinrichtunge


    In den USA wurde die Konjunkturforschung von Burns und Mitchell begründet. In Deutschland u. a. von Wilhelm Spiethoff und Ernst Wagemann. Der von Burns/Mitchell in den zwanziger Jahren entwickelte Harvard-Indikator geriet in Misskredit, als er die Weltwirtschaftskrise 1929 nicht anzeigte. Allerdings lebte die Tradition der Konjunkturforschung in den dreißiger Jahren wieder auf.
    In Deutschland begann die Konjunkturforschung mit Gründung des Instituts für Konjunkturforschung in Berlin (heute: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW), das entstand, um jene Konjunkturanalysen durchzuführen, für die das Statistische Reichsamt kein Mandat hatte und die im Hochschulbereich auf wenig Interesse stießen.
    Daneben etablierten sich in Deutschland fünf unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitute, die regelmäßig Konjunkturprognosen veröffentlichen:

    • das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel,

    • das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) in Hamburg,

    • das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und

    • das ifo Institut für Wirtschaftsforschung e. V. in München.

    • Diese erstellen seit 1950 zweimal im Jahr eine Gemeinschaftsdiagnose im Auftrag der Bundesregierung.

    • Nach der Wiedervereinigung kam mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in Halle an der Saale ein sechstes Forschungsinstitut in den Kreis der führenden Institute hinzu.

    • Nicht zu vergessen das "Institut für Arbeitsmarkt und Beufsforschung" der Bundesagentur für Arbeit. Daneben befassen sich auch die Forschungsinstitute der Arbeitgeber /Institut der Deutschen Wirtschaft) und der Gewerkschaften (seit 2005 das neu gegründete Institut für Marktwirtschaft und Konjunktur in der Hans Böckler Stiftung) mit Konjunkturanalysen.

    • Der 1963 gegründete Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erstellt ebenfalls einmal pro Jahr eine Konjunkturprognose, welche jeweils im November veröffentlicht wird.

    • Regelmäßig Prognosen veröffentlichen auch die internationalen Organisationen OECD, EU und IWF.



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    Methoden der Konjunkturprognose

    Konjunkturprognosen werden ausgehend von Erfahrungen aus der Vergangenheit über den Ablauf früherer Konjunkturzyklen, empirisch überprüften wirtschaftlichen Zusammenhängen (z. B. die Wirkung von Zinsen auf Investitionen oder von Steuern auf die Konsumnachfrage) und schließlich Konjunkturindikatoren abgeleitet. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung liefert den definitorischen Rahmen, um die Konsistenz der Prognosen herzustellen. Dabei bedient man sich zum Teil intuitiver Verfahren (Analytiker oder aus dem Englischen "Analysten"), zum Teil ökonometrischer Methoden. Ökonometrische Konjunkturmodelle stützen sich auf mathematisch-statistische Verfahren, es können aber zusätzliche Informationen in die Modelle eingegeben werden, die sogenannten "Adds" (konstante additive, aber auch multiplikative Veränderungen der endogenen Variablen. Beispielsweise müssen Maßnahmen, wie sie jetzt im Koalitionsvertrag beschlossen wurden, "per Hand" in die Modellstruktur eingegeben werden, die Wirkungen müsste dann das Modell selbst ausrechnen können.

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    Konjunkturzyklen in Deutschland

    Im Gegensatz zu den USA, wo man eine "offizielle" Datierung der Konjunkturzyklen vornimmt, liegt eine offizielle Klassifikation der Zyklen für Deutschland nicht vor. Betrachtet man nur Konjunkturen im engeren Sinne, die durch absolute Rückgänge in der Wirtschaftsleistung begrenzt werden, so lassen sich seit 1945 fünf volle Zyklen erkennen, die zumeist mit Abschwächungen der Weltwirtschaft zusammenfielen.

    Der erste Nachkriegs-Aufschwung endete 1966, als das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit 1949 sank.
    Der zweite Zyklus endete mit der Rezession 1974, als es wegen der ersten Ölkrise zu einem Nachfrageentzug kam.
    Ein dritter Zyklus endete 1981/82, im Gefolge der zweiten Ölkrise.
    Das Ende des vierten Zyklus markiert die Rezession 1993, der bisher einzigen Rezession in der Bundesrepublik, die binnenwirtschaftlich ausgelöst wurde, wegen der im vorhergehenden Wiedervereinigungsboom aufgetretenen Übersteigerungen und der daraufhin restriktiven Geldpolitik, die wegen der zuvor hohen Inflation auf Bremskurs gegangen war.
    Ein fünfter Zyklus endete nach dieser Zählung 2001, ausgelöst u.a. durch das Ende des Booms in der Kommunikationsbranche. Da sich diese Schwächephase außergewöhnlich lange hinzieht, lässt sich ein Ende des fünften und der Beginn des sechsten Zyklus allerdings schwer datieren.

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    Wachstum

    Unter Wirtschaftswachstum versteht man die relative Änderung der Wirtschaftskraft einer Volkswirtschaft von einer Periode zur nächsten. Als Maßstab dient in Deutschland normalerweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder das Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt bzw. BSP).

    Das Wirtschaftswachstum ist in Deutschland aufgrund seiner angenommenen Wichtigkeit als eine Grundbedingung im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StWG) rechtlich verankert, auch wenn es schlecht erzwingbar ist.

    Es gibt Unterschiede in der Berechnung des Wirtschaftswachstums in verschiedenen Regionen, weshalb die Werte international nicht problemlos miteinander verglichen werden können.

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    Reales und nominales Wirtschaftswachstum
    reales Wachstum


    reales Wachstum in der BRDMan kann zwischen realem und nominalem Wirtschaftswachstum unterscheiden. Im nominalen Wirtschaftswachstum wird das Wachstum als monetäre Änderung des BIP beziehungsweise des Bruttonationaleinkommens definiert. Dagegen wird beim realen Wirtschaftswachstum die Preissteigerung herausgerechnet. Gemessen wird nach diesem Konzept die eigentliche reale Leistungssteigerung der Gesamtwirtschaft. Die reale Herangehensweise ist also aussagekräftiger.

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    Reales Wachstum und Preisindex

    Bei der Ermittlung von "realen" Wachstumsraten wird vom unmittelbar gemessenen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts die Veränderungsrate des durchschnittlichen Preisniveaus, die Veränderungsrate des allgemeinen Preisindex, abgezogen. Das Wachstum soll nicht steigende Preise widerspiegeln, sondern nur das Wachstum der "realen" Produktion. Damit hängt das statistisch ausgewiesene reale Wachstum auch davon ab, wie der Durchschnittspreis des Bruttoinlandsprodukts oder des privaten Konsums, wenn man diesen Preisindex für die Berechnung des realen Wachstums verwenden möchte, berechnet wird. Eine besondere Schwierigkeit liegt bei Qualitätsveränderungen vor. Spiegelt ein steigender Preis nur eine reine Preiserhöhung wider? Dann darf diese Preiserhöhung nicht als "Wachstum" erscheinen. Oder spiegelt die Preiserhöhung eine Qualitätsverbesserung wider? Dann ist es eigentlich keine Preiserhöhung, sondern Wachstum. Das Statistische Bundesamt hat bei der Bestimmung der Veränderung der Preisindizes schon immer Qualitätsveränderungen berücksichtigt. Doch inzwischen soll dies durch die sogenannte hedonische Ermittlung der Preise besser geschehen. In den USA und Großbritannien wurde damit begonnen und ist inzwischen international üblich. Wenigstens in den USA liegen so die Wachstumszahlen höher als bei der bisherigen Berechnung.

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    Intensives und extensives Wirtschaftswachstum

    Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit ist die nach intensivem und extensivem Wachstum. Von extensivem Wachstum spricht man, wenn es auf den Einsatz von mehr Ressourcen, etwa mehr Arbeitskräften, zurückzuführen ist. Bei der Sowjetunion beispielsweise wurde behauptet, dass ihr Wachstum in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass immer mehr Rohstoffe verbraucht wurden, und nur dadurch auch immer mehr produziert werden konnte. Die Arbeitsproduktivität konnte dagegen viel weniger gesteigert werden.

    Intensives Wachstum liegt nur vor, wenn das Pro-Kopf-Einkommen steigt.

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    Quantitatives und qualitatives Wachstum

    Das Wirtschaftswachstum wird häufig nicht nur als Maß für das Wachstum der Wirtschaftsleistung, sondern auch als Maß für das Wachstum des Wohlergehens einer Gesellschaft gebraucht, ist dafür aber nur bedingt geeignet. Beispielsweise steigt bei einer Epidemie der Umsatz von Pharma-Unternehmen und so unter Umständen auch die Wirtschaftsleistung, jedoch geht es vielen Menschen in so einem Fall schlechter, nicht besser. Aus diesem Grund gibt es die Unterscheidung quantitatives Wachstum und qualitatives Wachstum.

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    Grenzen des Wachstums

    Der Möglichkeit eines ewigen Wachstums widersprach u.a. der Club of Rome und bezog sich auf den Bericht von Dennis Meadows über die "Grenzen des Wachstums". Dabei wurden die Knappheit von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen wie sauberer Luft und sauberem Wasser als Hindernisse für ewiges Wachstum genannt. In verschiedenen durchgerechneten Szenarien sind dramatische Entwicklungen für die Zeit um das Jahr 2030 vorhergesagt worden. Es handelte sich bei diesen Berechnungen nach eigenen Angaben nicht um Prognosen, sondern um den Versuch, die komplexen Voraussetzungen für menschliches Wirtschaften zu untersuchen und mögliche Entwicklungen in der Zukunft darzustellen.

    Die drastischsten Szenarien sind bislang nicht im befürchteten Ausmaß eingetreten. Am deutlichsten wahrnehmbar ist wohl die globale Erwärmung, die nach gegenwärtigem Stand des Wissens maßgeblich aufgrund des zunehmenden Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre durch menschlichen Einfluss mitbestimmt wird.

    In zwei weiteren Publikationen, "Die neuen Grenzen des Wachstums" von 1992 und "Limits to Growth: The 30-Year-Update" von 2004 errechneten die Autoren weitere Szenarien mit aktualisierten Daten. In der jüngsten Publikation spielt besonders das Konzept des ökologischen Fußabdrucks sowie die Vorstellung von Überschreitung und Kollaps ("overshoot and collapse") eine große Rolle. Danach befindet sich die Erde derzeit in einem Zustand der Überbeanspruchung, der nicht lange aufrecht erhalten werden kann und der auch bei konsequent eingeführten Umweltstandards je nach Szenario wahrscheinlich zwischen 2040 und spätestens 2100 zu nicht kontrollierbaren Rückgängen an Produktion, Lebenserwartung, Wohlstand und Bevölkerungszahl führen wird. Um dieses Szenario zu verhindern wurde das Konzept der nachhaltigen Wachstumsrücknahme entwickelt, welches konkrete Maßnahmen vorschlägt um einen Kollaps zu vermeiden.

    Kritiker des Club of Rome verweisen hingegen darauf, dass Wohlstand den Menschen die Möglichkeit gibt, sich höhere Standards und Kontrollen in Bereichen wie Umweltschutz, Naturschutz, usw. leisten zu können und besser auf Naturkatastrophen (natürlich verursachte Überschwemmungen, Dürren, Klimaänderungen, Missernten usw.) zu reagieren, so dass sich negative Entwicklungen ausgleichen ließen.

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    letzte Aktualisierung: 05.08.2010 Impressum Sitemap Seitenanfang